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En:Trance (die Geschichte zum Spiel-Projekt von 1996-1999) # Der Beginn Mein Name ist Michael - ich bin eigentlich ein relativ normaler Typ, hmm so fangen wohl die meisten Geschichten, an, oder? Irgendein Allerwelts-Gesicht, dem urplötzlich etwas ganz "Großes" widerfährt. Ob ich auch die übliche Frage irgendwann stellen werd', "warum ich?!" - nein, da ich kann euch beruhigen.
Das ganze war so bizzar, das ich nicht mal auf diese Idee kam. Aber wo war ich? Ach, ja ich heiße Michael, Michael Cremmer - meine Kumpels nennen mich aus unerklärlichen Gründen M.C. (Ähm Zieh), aber ich find's cool. Was kann ich noch von mir erzählen? Sicher, ich bin ein wahnsinniger Vid Sicious Fan, nun ja, wer ist das nicht heutzutage, aber das "wahnsinnig" könnt ihr wortwörtlich nehmen. Wobei ich mir jedoch nicht mehr so sicher bin ab wann das "wahnsinnig" eintrat, schon vor, oder erst während meiner Geschichte, aber ich will nicht vorgreifen. Wenn Vid Konzerte gab, dann war ich da. Bei jedem, das bezahlbar in der Nähe war. Von Anfang an, bis ...naja, eigentlich hab ich das letzte Konzert von Vid - naja, nicht verpaßt, hach, ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll, ich hab noch nicht mal begonnen zu erzählen und langweile euch schon...
Wie alt ich bin? Das hättet ihr mich früher fragen müssen, denn jetzt weiß ich es einfach nicht mehr - bevor das alles losging muß ich um die 20 gewesen sein... Und all die Zeit "dort" kam mir nahezu ewig vor. Ich kann's immer noch nicht fassen, es begann alles so harmlos und wie üblich bescheuert, denn ... ich war zu spät drann für's Sicious-Konzert im "Hexenkessel" bei Brüssel. Gerade mal 2-3 Stunden mit dem Auto. Aber ich Idiot war zu spät und machte mir schon fast in die Hosen, ob mich die Bullen mit meiner Raserei gar noch so kurz vor dem Ziel abfangen würden. Genaugenommen hatte es aber schon letzte Nacht begonnen, damals war's mir natürlich überhaupt nicht klar, aber jetzt begreif ich es. Ich träumte, ich war auf einer fetten Party, ich hatte schon ziemlich einen sitzen und mich gewaltig in eine kleine pralle Blondine mit dieser Art von viel zu engen Minikleid, die schlecht für die Augen sind, verguckt. Schummerig, wie Träume nun einmal so sind, versuchte ich mich unverzüglich an sie heranzumachen - zugegebenermaßen etwas peinlich, aber es klappte eh nicht, die Musik paßte nicht: Ummta-Ummta... ich schaute mich um, ob ich vielleicht auf einer Mitfünfziger Schunkelparty versackt bin, aber im Zwielicht standen überall nur coole typen rum. Ich wollte der kleinen gerade an die Wäsche als sie mich mit einem Blick fixierte, das ich glatt im Traum aufgewacht wäre: "Wir müßten das Licht ausmachen", sagte sie nachdrücklich. "Hey, bleib mal locker, hier im halbdunkeln...". Sie zog mich mit und wir durchsuchten diese unglaublich riesige Etagen-Wohnung nach einen ominösen Schalter. Überall standen, quatschten und tanzten Leute und ich - der coolste von allen, mit der sattesten Blondine hier ... mach das Licht aus?! Kaum war ich aufgewacht ging mir ein Sicious Song einfach nicht mehr aus dem Kopf: "Something to think about". Ich muß zu meiner Schande eingestehen, das ich mich nie wirklich für die Texte von Vid interessiert hatte - coolerweise schrieb er seine Songs alle selber - ich dachte immer es wären Liebeslieder, da die Mädels auch immer nur sowas sagten, war mir das genug. Aber an jenem morgen hatte ich das Gefühl, das mich etwas beobachtete und mir tröpfchenweise Erkenntnis verpaßte - etwas worum ich sicher nicht gebeten hatte.
Hmm, klingt bei besten Willen irgendwie nicht nach einer romantischen Liebeserklärung, oder? Praktisch alle Songs von ihm sind irgendwie schnell, tanzbar, irgendwie happy, aber - eigentlich auch aggressiv. Wir sind jung, wollen Spaß und denken nicht viel über Anderes nach. Hatte Vid etwas zu sagen, was uns - absurderweise - irgendwie - all die Jahre - entgangen war? Es zog sich mir ein eigentümliches Gefühl von meiner Magengrube hinauf in meine Brust, ich war, wie jmd in einem Buch mal so schön schrieb, wie ein Blinder, der nach Jahren feststellte, das er gar nicht blind war, sondern nur einen zu großen Hut trug... Der "Hexenkessel" hatte einen gewaltigen Parkplatz, nun ja 300.000 Menschen wollen ja schließlich irgendwo hergekommen sein - ich allerdings bemerkte irgendwann einmal während meiner frenetischen Raserei, das ich nicht mehr auf der Autobahn zum Kessel war, sondern durch den Ort fuhr - ein Konditionierungsfehler! Ich könnte jetzt schon erklären warum, aber es würde aber "Pointe" versauen. Naja, so gesehen war das jetzt weder besonders originell von mir formuliert, noch war mir in irgendeiner Weise zum Lachen, aus zweierlei Gründen: Grund 1: Ich fuhr zu schnell - nein, Mist! Das ist nicht der Grund. Die Hauptstraße in Richtung Kessel führt an einem Hotel vorbei... Hotel? Hotel? Hotel!? Ich bin zu spät zum Konzert. Im Radio, wird schon Live übertragen! Die Sender überstürzen sich mit ihren Repotagen aus dem Kessel: "300.000 Sicious-Fans schreien sich hier"..."299.999", schreie ich zum Radio. Und gebe Gas, um eine gelbe Ampel noch zu nehmen - näher ans Hotel. Hotel? Hotel? Hotel! Das Hotel - die Einfahrt voller Limosinen und Kräftiger Typen - Komisch... Und wie komm ich nur an 299.999 fanatischen Fans vorbei an die Bühne, das wird Stunden... Ein Schatten Ein Schock Ein Aufschlag Mein Schrei Mein Bremsen Scherben Blut Ein Körper Auf meiner Autoscheibe Mein Herz schlägt wie verrückt Bis in jede letzte Faser meines zitternden Körpers. Ich rutsche tiefer in meinem Sitz, was war passiert, wo bin ich, was liegt da auf meiner Motorhaube, die Windschutzscheibe ist komplett gesprungen und eingedellt, mit dunklem Blut bedeckt - ich seh nur Schatten - Schatten - Zittern - Herzklopfen... Aufgeregte Stimmen Jemand ruft klopft an die Scheibe - links von mir Ich bin hier drinn und rüh' mich nicht Die Tür geht auf Irgendwas geht vor sich Dann hör ich eine sanfte weibliche Stimme - naja, sie versucht sanft zu klingen, aber sie klingt eher als ob sie gerade einen Frosch verschluckt hat, dennoch erkenn ich die Stimme: "Hey, man, alles Ok bei dir?" Machst du Witze Mädel? Ich hab mich noch nie so beschissen in meinem Leben gefühlt, die Zeit ist noch niemals so langsam verstrichen und ich hatte noch niemals eine blutgetränkte komplett zerdepperte Windschutzscheibe - weil Jemand ... "... Der Hexenkessel brodelt schon bis zu Rand, und das, obwohl die Show noch nicht einmal begonnen hat ..." Schreit das Radio und für mich ist die Show nun schon zu ende bevor sie zu brodeln begonnen hat.
"Vid! Vid! Oh, Scheiße verdammt noch mal", brüllt draußen Jemand, der wohl auch das
Konzert verpassen wird. Apropos Konzert, warum quatscht mich eigentlich Vid Sicious' PR-Managerin von der Seite an? Ich drehe meinen Kopf zu ihr, aber sie ist nicht mehr da, oder besser, sie steht neben mir ich seh nur ihre nackten langen Beine - nix, was ich jetzt gebrauchen könnte, ich schau langsam an ihr hoch. Da ist eine Ader unter ihrem rechten Knie und am Schenkel hat sie einen Zellulite-Streifen, der zum Teil vom Minirock verdeckt wird - Neonrosa!? Ist das nicht schon wieder eine Weile "out"?! Ein riesiger schwarzer Lackgürtel, mit primitiver Schnalle, viel zu eng um ihre dürren Hüften geschlungen, ihr Bauch guckt leicht drüber raus, sie hat einen Brillie im Bauchnabel - zartrosa, links etwas höher ist ein Teil eines kleinen Tatoos zu sehen vermutlich ein Herz mit einer Schriftrolle darunter "...right here" kann ich noch lesen. Ebenfalls in gerippten neonrosa, bedeckt ein viel zu enges Top ihre dürren Brüste, darüber hängt eine viel zu grobe kitschige Kette mit einem so Vid-typischen "Friedens-Sybol".
"Scheiße, Vid!", heult eine Stimme draußen - Oh, man, was soll ich erst sagen?! Ich werd' sein Konzert auch verpassen, mein Auto ist hin und über den anderen Streß will ich erst gar nicht beginnen nachzudenken. Bilde ich mir das ein, oder zittert Belinda Monetti - Vid's PR-Managerin - wie Espenlaub? Oh, shit, der Typ auf meiner Motorhaube! Ich versuche auszusteigen, aber pack mich fast hin, weil ich selbst noch komplett am zittern bin. Ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt sehen will... Grund 2: Zitternd schieb ich mich an Belinda vorbei und richte mich erst einmal mit dem Rücken zur Motorhaube auf, um etwas kühle Abendluft zu atmen - tief ein - aus - tief ein - aus... Ich komm mir vor, wie in einem schlechten Sci-Fi Horror-Thriller: um mich herum dutzende Menschen, alle erstarrt, totenblass - so weit zu erkennen, blicken alle apathisch an mir vorbei auf meine Motorhaube - scheiße, was geht hier ab? Atmen - tief ein - aus - tief ein - aus... Jetzt muß ich mir wohl oder übel anschauen, wen ich da umgefahren habe, tief einatmen, Augen zu, Körperstrecken, zittern unter Kontrolle kriegen, umdrehen, tief einatmen, Augen auf... nein Nein! Das ist nicht wahr! "Nein!" "Nein!" "nein, das ist nicht wahr" Atmen - tief ein - aus - tief ein - aus... Zitternd geh ich einen Schritt näher - ich glaub ich höre Sirenen - noch einen Schritt... "Vid... warum?" Mein Kopf war leer, nein es rauschte und zischte, kreischte... Auf meiner Motorhaube liegt... Vid Sicious - Kein Konzert, kein Sicious, kein Ich... Vermutlich bin ich ohnmächtig geworden, denn ich wachte in einem fremden sterilen Bett auf, das so sicherlich kaum im Hotel stehen würde und Belinda Monetti wird mich wohl auch kaum mit zu ihr nach Hause genommen haben - man, was 'ne bekloppte Idee, die wohnt doch gar nicht in Belgien. Krankenhaus - was ein Wort - auf dem Nachttischchen stand eine Flasche Mineralwasser und ein Glas. Ich setzte mich auf und goß mir etwas ein. "Junge, du siehst ja immer noch so blaß aus!?" Ich hatte beinahe vor Schreck mein Glas fallen lassen. Im Zimmer waren noch 3 weitere Betten, 2 davon leer. In einem lag ein älterer Mann, ich schaute zu ihm rüber und versuchte zu lächeln. "So als seist du dem Teufel persönlich begegnet." Man! was 'ne Idee!? Darum heißt's wohl Kranken-Haus... Ich hatte noch nicht die Nerven etwas schlaues zu antworten und schüttelte nur den Kopf. Ich sah mich nach der Tür um und stand auf. "Alles gute noch" sagte ich beim Rausgehen zum "Kranken", er faselte auch noch irgendetwas, aber in meinem Kopf summte es laut genug, um ihn nicht mehr weiter wahr zu nehmen. Ich schaute den Flur rechts und links hinab und schlicht zum Schwesternzimmer. Ich stand in der Tür und die Schwester - eine Frau in der Mitte ihrer Dreißiger wohl - schaute auf und fixierte dann meine linke Hand, also blickte auch ich hinab und bemerkte das ich noch das Glas Wasser in der Hand hielt. Ich trank den rest aus und stellte das Glas ab und fragte mit matter Stimme: "Ist Vid Sicious auch hier?" Sie schaute verdutzt, hey, bin ich ein Außerirdischer? Die muß doch Vid kennen?! Dann muß sie sich wohl wieder erinnert haben. "Sie sind der mit dem Autounfall nicht wahr?!" Autounfall?! Ich riß die Augen auf, wohl auch meinen Mund, aber es kam kein Ton. Sie rollte mit ihrem Stuhl zu einem Computer. Verdammt, in was für einen Film bin ich hier gelandet? "Wir haben ihre Personalien noch nicht", sagte sie ohne sich vom Bildschirm abzuwenden. "Ist Vid Sicious auch hier?", fragte ich noch einmal, mit deutlichem Nachdruck. Sie wandte sich offensichtlich irretiert zu mir. Auf einmal schoß mir ein Bild durch den Kopf: Ich stand vor meinem Wagen, all die Leute, die auf Vid starrten, Belinda neben mir wandte ihren Kopf langsam nach oben und ich folgte ihrem Blick. Aus einem Fenster ziemlich weit oben wehten Gardinen bizzar im Licht der Scheinwerfer, die wie üblich die Fassade bestrahlten. Es war das einzige Fenster das weit offen stand. "Oh, mein Gott" flüsterte sie. Das Hotel hat locker 35 Stockwerke. Durch meinen Kopf jagte ein Gedanke den anderen in Verzweifelung zu verstehen, was geschehen war. "Ist Vid tot?! Verdammt, ich muß es wissen!" "Wie schreibt sich der Name ihres Freundes?" Was!? Ich glaub ich begann wieder zu zittern, ich schritt zu ihr und buchtstabierte ziemlich apathisch seinen Namen und blickte über ihre Schulter auf die Sinnlose Anordnung von Text-Graphik... Dann kam mir zum ersten mal der Gedanke: "Äh, das ist sein Künstlername, ich weiß eigentlich gar nicht, wie er..." "Ja, der ist hier - auf der Intensivstation... aber sein Zustand steht hier noch nicht." "Darf ich zu ihm?!" Ich glaub ich hab fast geschrien, die Schwester schaute mich alarmiert an, doch lächelte und bat mich ihr zu folgen... Diverse Flure, Gänge und Fahrstühle später stand ich vor einer Tür und ich wartete auf die Erlaubnis eintreten zu dürfen. Ich vermute ein Arzt kam zu mir faselte etwas zu mir, ich hörte aber nicht zu und fragte nur, ob ich nun reindürfe, ich glaube er seuftzte, öffnete aber die Tür, so daß ich eintreten konnte... Es war bedrückend still auf einmal, abgesehen von einigem Summen und Surren und ein seltsames *Piep*, die Tür schloß hinter mir *Piep* und ich starrte auf das Bett. *Piep* Das hätte Jeder sein können! *Piep* Ich sah nur weiße Decke, *Piep* weiße Verbände und alle möglichen Schläuche & Kabel *Piep* *Piep* *Piep* Huh!?! Der Rhytmus wurde schneller und unregelmäßig *Piep* *Piep* *Tuuut* - !!! Das Geräusch kam aber nicht von vorn, sondern eher von rechts, ich schaute und da saß etwas verdeckt ein weiterer Arzt in der Ecke und - spielte "Atari Pong" auf dem Computer. Ich glaubte ich würde wahnsinnig... Er fluchte leise - er hatte verloren. (wie ist das nur möglich?! dachte ich) Er bemerkte mich und ich ging näher zu... Ich wandte mich zum Arzt. "Ist das Vid ... Sicious?!" "Leibhaftig", kam trocken. "Wie geht es ihm?!" "Das weiß nur er" - "Was?!", ich war schockiert. "Er liegt im Koma", der Arzt stand auf und kam näher. "Schon seit 18 Stunden". "Wie!? Ich hab so lang geschlafen?!" "Ah, sie sind der, dem er auf's Auto gepurzelt ist." Ich war entsetzt, was sind das nur für Un-Menschen?! Ich stand nun direkt, neben Vid, wie ich noch nie neben ihm gestanden bin. Ganz allein, nicht neben hunderttausenden von Fans und ihm 5 Meter vor mir auf der Bühne. Ich und Vid - naja, sein Kopf war komplett verbunden und sowie so nicht "anwesend"... "Wann wird er wieder aufwachen?" "Schwer zu sagen, ehrlich gesagt, glauben wir kaum, das er's schaffen wird." Mir wurde heiß und kalt "warum?" konnte ich nur noch stottern. "Ihm fehlt ganz einfach der Wille zum weiterleben." "Wie können sie nur soetwas sagen?", der Arzt blickte mich ungläubig an und gab mir das Gefühl, das ich in all dem irgendetwas übersehen haben könnte. Auf dem Nachttisch lag Vid's Schmuck, die "Friedens-Symbole" und bizarren Ketten, die Sonnenbrille - er war mein Held - unser Held - unsere Hoffnung, mit seiner Stärke und nun wollte mir dieser "Gott in Weiß" weiß machen, das Vid der Wille zum Leben fehlen würde?! Ich hatte Vid auf dem Gewissen und mußte etwas unternehmen! "Was kann ich tun?", fragte ich in einem Anfall von neuen Mut und der Arzt lachte: "Sie? nicht viel mehr als Beten!" und dir die Fresse polieren, dachte ich. Doch ich spürte meine Kräfte schwinden, ich war hungrig, vor mir ein Vid Sicious im Dämmerschlaf, irgenwo dort draußen, mein beschädigter Wagen - ich brauchte jetzt Ruhe und etwas zu Essen. Die Krankenhaus-Kantine war gar nicht so übel, wie immer getan wird, meinem Körper ging es wieder ziemlich gut, doch meine Seele war komplett am Boden, von all den 7 Milliarden Menschen auf dieser Gott-verdammten Welt, müßte ich gerade mein Idol überfahren. Das war doch alles nur ein schlechter Traum. Mir gegenüber saß eine jüngere Schwester und ich starrte sie an: "Sind wir wach, oder träumen wir?!", sie wurde rot - hey Mädel, das ist keine plumpe Anmache! "Also ich fühl mich ziemlich wach, trotz meiner Nachtschicht" und sie stocherte weiter in ihrem Essen herum. Na dann sind wir wohl wach... Und dennoch war da etwas: ich fühlte mich noch immer irgendwie beobachtet. Ich blickte mich um, konnte aber niemanden auffälliges entdecken. Ich hatte dann nur noch ein kleines Problem, die Station meines Zimmer wieder zu finden. Doch da saß ich nun in dem steril weißen Bett, mein "Mitbewohner" war zum Glück raus zum Fernsehen, so daß ich mich allein in meiner Misäre ertränken konnte. Mit wem redest du, über das "Unmögliche"? Wer ist der Ansprechpartner für "hoffnungslose Fälle" - Oh, nein, kommt mir jetzt bitte nicht, wie der Arzt mit Gott, oder Beten. Das hat mir schon damals nicht geholfen einen Laptop zu Weihnachten zu bekommen, oder das Fernseh-Verbot meiner Eltern zu annulieren und Janine (meine erste Liebe) konnte ich so auch nicht überreden mit mir zu gehen. Nein, jetzt muß etwas "neues" her, etwas gegen "Leben & Tod"... also doch Gott?! Was hatte ich da gerade gesagt? Kling ich eigentlich verwirrt? Ja? Gut. Oh, erst jetzt merkte ich, das ich wohl apathisch mit meinem "Noki" spielte, oder auch nicht, denn - es funktionierte nicht mehr - komisch, ist der Akku schon alle? Ich legte es zur Seite, lehnte mich im sterilen Bett zurück und ließ die Stille auf mich wirken, draußen war es sonnig und leise waren Vögel durch die geschlossenen Fenster zu hören. "Typisch Kranken-Haus!", rief ich und stand auf, um zu den (immerhin) großen Fenstern zu gehen - hey, die lassen sich ja sogar öffnen... Ob's wohl einen "Bio-Hazard" Alarm gibt, wenn ich mal frische Luft hereinlasse? Schien nicht so. Die Luft war angenehm kühl und das Licht der Sonne warm, die Vögel, wie so üblich zwitscherten naiv-sorglos durch die Gegend als ob es niemals Sorgen für sie gäbe. Ich bewunderte, nein, ich beneidete sie dafür... Wie es wohl sein muß, so als kleines bißchen Federvieh? So als kleiner gelber unwissender Woodstock, ach ne, der kann ja nicht mal richtig allein fliegen. Ich schloß das Fenster und ging zurück zum Bett. Ich saß kaum drauf als mein "Noki" klingelte: "Hallo?" "Guten Tag, Sie hatten sich für den telephonischen Not-Beratungs-Service interessiert?" "Hab ich das?" "Darf ich 'Du' sagen? Das klingt nicht so unpersönlich, vor allem in solch einer Situation." "Ähm, ja ist schon ok, um was geht es?" "Ha ha, das willst du mir doch erzählen, ich bin zum Zuhören hier." "Was sollte ich da viel erzählen, ich glaub kaum, das da ein 'Not-Beratungs-Service' auch nur im geringsten etwas helfen könnte." "Du hast ja noch nicht einmal angefangen, wie willst du dir da schon so sicher sein, das ich dir da nicht doch irgendwie behilflich sein könnte? Also, komm, sag schon." "Glauben wirst du mir das ganze wohl auch nicht..." "Das du Vid Sicious umgefahren hast?" "Ja, genau das - mein - unser Vid Sicious, ich! Und jetzt wird er sterben." "Wer behauptet das er sterben wird?" "Na, der Arzt, sagte, das Vid keinen Willen mehr zum..." "Und das glaubst du?" "Er ist der Arzt." "Sagt das etwas aus?" "Er weiß, wie's um Vid steht." "Sagte aber nicht der Arzt selbst, das er das nicht wüßte?" "Ja, schon, aber...?" "Also, was willst du unternehmen?" "Was soll ich denn bitte da tun!? Blut spenden?" "Was würdest du geben, um Vid wieder zum Leben zu erwecken?" "Ich? Alles verdammt noch mal!" "Fluche nicht." "Oh, Entschuldigung. Ja, ich würde alles geben, damit er weiterlebt!" "Alles?" "Alles", meine Stimme erstickte beinahe, denn ich begann zu schluchzen, das war einfach zu viel für mich, ich fühlte mich so hoffnungslos allein... "Du brauchst dich nicht zu sorgen, jetzt bin ich ja bei dir." "...am Telephon *schniff* naja, eigentlich besser als nix..." "Also du bist wirklich bereit alles dafür zu geben?" "Oh man! Das sagte ich doch schon. ich wünschte das wäre alles nie passiert, ich wäre langsamer gefahren, oder noch schneller..." "Das hätte nichts daran geändert." "Wieso nicht?" "Bist bereit, Michael, alles zu geben?" Was sollte das? "Wie oft den noch? Ja ich sagte es doch schon drei Mal!" "Nun, dann..." !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Es blitzte um mich und es rauschte und krachte, etwas mußte explodiert sein, ich spürte Hitze und begann zu schreien, zumindest versuchte ich es, dann zog etwas an mir. Ich weiß nicht mehr, ob mich etwas hochzog, oder ob ich hinab fiel. Es kam mir vor als ob ich durch einen Tunnel, ein Rohr gepustet wurde und das Schlimmste, es schien einfach nicht aufhören zu wollen... Home weiter... |