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Weg (Reflektor) 1 - Das Erwachen Sie konnte nicht sagen, wie lange sie schon hier lag. Waren es Tage, oder nur Minuten? Waren es einige Stunden, oder gar Jahre? Es war schummerig, zu dunkel, um wirklich etwas erkennen zu können. Sie zögerte bei dem Gedanken sich die Frage, der verstrichenen Zeit, zu beantworten... Wie sie wohl aussehen mag? Kalte, stille Panik ergriff sie, Jedoch versuchte sie ruhig zu atmen. Sie konnte nun schon etwas mehr in der Dunkelheit ausmachen... Hm, nur Umrisse, Ecken - nix bestimmtes - schwaches, grünes flurozierendes Licht. Was war zu hören? Ein schwaches, statisches Summen - aber sie war sich dabei nicht so sicher. Das Rauschen und das Pochen in ihren Ohren schien genauso laut. Sie drehte ihren Kopf. Ihre Muskeln gehorchten nur schwerfällig. Ihr Körper war kühl und schwach, jede Bewegung schmerzte, wie Muskelkater. Sie setzte sich auf und lehnte sich an die Wand... Soweit funktionierte also noch alles. Sie nahm ihre Hände vom kalten metallischen Boden und führte sie - leicht zitternd - zu ihrem Gesicht... Glatte, kühle Haut - kein Blut - sie spürte jede Berührung, wenn auch wie in Zeitlupe. Mit einem erleichterten Stoßseufzer ließ sie ihre Hände auf ihre Knie senken, die sie, um sich etwas aufzuwärmen, träge an sich zog. Bilder flackerten in ihrer Erinnerung - wirre bunte Kaleidoskope... Was war passiert? Wo war sie? Sie schloß ihre Augen - nichts! Nur grelle Farben und seltsame symmetrische Formationen, in ihren Ohren flirrte es. Sie versuchte aufzustehen. Sie zog sich an der kühlen metallenen Wand empor und tastete sich im Halbdunkeln bis zur nächsten erkennbaren Ecke vor. Nun flirrte es auch vor ihren Augen, sie sah Sterne. Sie wartete und stützte sich an der Wand ab, bis sich ihr Kreislauf wieder gefangen hatte. Sie schniffte - dieser Geruch! Verbrannter Kunstoff - nein! Verbrannte Elektronik - Nein! Ihre Hände berührten plötzlich etwas an der Wand in Brusthöhe. Ein leichte Vertiefung in der Wand - Tasten! Etwas ihrem Kopf erhellte die Dunkelheit der Erinnerung. Sie glaubte nun sich wieder zu erinnern, wo sie war. Aber warum sie hier war und was geschehen war - Nein! Sie berührte vorsichtig die Tasten, sie gaben leicht unter ihren Druck nach. Sie überlegte, wie die Anordnung auf diesen Konsolen aussah... Nun ja, da waren Tasten, aber welche wo - sie konnte sich nicht erinnern. Sie konnte auch nicht viel falsch machen. Also drückte sie nacheinander mehrere Tasten. Als dies zu keinerlei Reaktion führte, versuchte sie wild mehrere Tasten gleichzeitig zu betätigen - ohne Erfolg! Sie seufzte, ließ die Schultern Hängen und tastete sich weiter an der Wand entlang. (Wenn hier doch bloß was zu sehen wäre), dachte sie. Doch was erhoffte sie sich zu sehen? Dann stockte ihr Herz! Sie war gegen etwas gestoßen! Etwas Großes, Dunkles auf dem Boden. Sie atmete schwer, presste sich gegen die Wand und starrte entsetzt auf das dunkle Etwas, etwa einen Meter vor ihr... (Teck!), schoß es ihr durch den Kopf. Sie ging in die Knie und untersuchte den reglosen Körper... Er atmete, hatte Puls - sie drehte ihn auf den Rücken. Er bewegte sich. Ein schmerzvolles Stöhnen entglitt ihm. "Teck? Alles in Ordnung? Ich bin's Liss." Er öffnete seine Augen. Nur ein leichtes Glitzern in der Dunkelheit verriet ihr dies. Er setzte sich auf und lehnte sich an die Wand, sein Atem schwach. Ihr Herz pochte - oder was es Teck seins? "..." Ein kratziger erstickter Laut versuchte sich von seiner Kehle zu lösen, doch er hustete nur matt. Sie hockte sich neben ihn und legte ihren Arm um seine Schultern. Zum einen, um ihn am zusammensacken zu hindern, zum anderen, um ihn etwas zu wärmen - naja, oder auch um sich selbst etwas aufzuwärmen - es war verdammt kühl hier. Es war einfach etwas Beruhigendes, sich in dieser Dunkelheit an den lebenden Körper eines Menschen zu lehnen - zumindest glaubte sie, es sei ein menschliches Wesen... "Recht dunkel hier..." Brachte er trocken hervor. Seine Arme bewegten sich, sie konnte aber nicht sehen, was er vorhatte. Dann erschreckte sie plötzlich als dicht vor ihr etwas aufblitzte. "... für diese Zeit." Es war das Licht seines Arm-Computers. Viel gab es nicht her, aber es dauerte seine Zeit sich daran zu gewöhnen. Auch er kniff seine Augen zusammen. Sie betrachtete ihn im seichten Schimmer des Displays... "Alles in Ordnung, Teck?", fragte sie ihn sanft. "Was bedeutet 'Teck' eigentlich?", antwortete er leicht irretiert. Es lief ihr kalt den Rücken herunter. Sie antwortete nicht und schaute stattdessen in die Dunkelheit, ob die Gänge wohl irgendwo hinführten? Ihr Geist bewegte sich wie im Zeitraffer. Sie konnte sich zwar erinnern, daß sie eben noch wohin wollte, kam aber nicht mehr darauf wo das war... Wollte sie zu Teck? Sie drehte sich zu ihm, jedoch blieb ihr Blick auf dem Display haften: Dort waren Photos von vier Personen und einige Daten - drei Frauen, ein Mann. Das Display war ihr immer noch zu hell, er bemerkte es. "Es geht nicht dunkler - zumindest - ich weiß nicht wie." Seine Worte waren träge und schwer, wie Felsbrocken, es strengte ihn an. "Was ist das?", fragte sie und betrachtete sich ihn genau. Er zuckte mit den Schultern. "Weiß nicht. Hab nur rumgedrückt." "Der...", sie wollte ihren Arm heben und mit dem Finger auf das Bild des Mannes zeigen, jedoch folgte dieser nur träge ihrem Gedanken-Impuls - wie in Zeitlupe vollendete ihr Arm die Geste und tippte ungeschickt irgenwo auf das leuchtende Rechteck. Er runzelte die Stirn und sah sie fragend an. "... kommt mir irgendwie bekannt vor." vollendete sie ihren Satz. "An Dorehn.", laß er vor. "Ing... eee - nieur." Kam es ihm schwer über die Lippen. Dann runzelte er wieder die Stirn, berührte ihr Kinn mit Daumen und Zeigefinger und betrachtete schwerfällig ihr Gesicht. Er hielt das Display so, daß dessen Licht sie besser erkennen ließ...
Es dauerte eine ganze Weile, wie er sie so betrachtete und mit einem Photo auf dem Display verglich. Geistesabwesend ließ sie es geschehen. "Dine Weller.", entkam es ihm beinahe zu laut, denn sie zuckte merklich zusammen. "Was?", entgegnete sie.
Er kniete sich hin und hielt sie bei den Schultern, bizzar warf das bläulich schimmdernde Display an seinem Unterarm pfade Lichthöfe an die Wände. "Hey, alles in Ordnung?" Er schüttelte sie, mehr oder weniger ko-ordiniert, sanft... "Hmmm...", nickte sie wieder apartisch. Langsam spürte er die Kälte. Er nahm sie einfach und ließ sie auf seinen Schoß sinken, lehnte sich gegen die Wand, nahm seinen Computer wieder vor und bediente ihn mit seiner linken Hand, deren Elbogen seicht ihren Bauch berührte, so daß er versichernd ihrem Atem spührte... Er kämpfte sich durch die Menüs - hin und zurück - suchte nach Hinweisen... "AN DOREHN? IST ALLES IN ORDNUNG MIT DIR?", tauchte plötzlich auf seinem Display auf. Wer sprach da mit ihm und vor allem wie sollte er antworten?! "Ja, ich glaube.", sprach er halblaut zum Computer. (Was auch immer "Alles" in diesem Zusammenhang sein sollte?), dachte er. Das Mädchen in seinem Schoß murmelte etwas unverständliches - sie war wohl im Halbschlaf. "WAS IST MIT DEN ANDEREN? ICH REGISTRIERE IHRE LEBENSZEICHEN, ABER SIE BEFINDEN SICH ALLE SCHON SEIT TAGEN AM SELBEN ORT" "Seit Tagen!? Wo!? Ich... kannst Du das Licht einschalten? Wir können nichts sehen? Wo find' ich die beiden Anderen?" "DIE SENSOREN MELDEN, DAS LICHT SEI AN. SIE BEFINDEN SICH BEIDE AUF DER BRÜCKE" "Was ist mit Dine?" "ERHÖHTE TEMPERATUR, SCHWACHER PULS, NIEDRIGER BLUTDRUCK. FLÜSSIGKEITSMANGEL, UNTERERNÄHRUNG" Auf seinem Display bauten sich medizinische Daten zu Dine auf. Ein Bild ihres nackten Körpers rotierte langsam auf der rechten Seite. Er schaute kurz besorgt an dem Computer vorbei auf Dines schlafendes Gesicht - verletzlich, wie ein kleines Kind lag sie da. Veränderliche Daten zeigten in Graphen ihre Körper-Temperatur, Blutdruck, Puls - Scheinbar auch die Zusammensetzung ihres Blutes und eigentümliche elektromagnetische Verhältnisse. Dann veränderte sich ihr Bild in eine Thermo-Infrarot-Darstellung. "Wo finden wir was zu essen?" Das Display zeigte eine Art Standort-Plan. "IN DER MESSE UND DEN SCHLAFRÄUMEN" Diese beiden Worte Blinkten rot in der Skizze. Doch da war noch etwas zu sehen: gelb zeichnete sich ein liegendes, menschliches Strichmännchen in einen zentral-vorne gelegenen Raum ab. Ein weiterer größerer gelber Fleck ließ erahnen, das er jemanden zeigte, der an der Wand saß und den Kopf von jemand zweiten, der längs zur Wand lag auf seinen Beinen hatte... Das irgendetwas an dieser Rechnung nicht aufging, erreichte noch nicht seinen dämmerigen Verstand.
"Kannst du die Temperatur erhöhen?"
(Na das kann ja heiter werden), dachte An. Er wandte sich wieder dem Display zu: "Ich werde jetzt die Beiden anderen suchen. Wir bleiben in Kontakt - ich will sehen, ob ich Deine Sensoren neu justieren kann... Zumindest werd ich versuchen Deine Informationen zu korrigieren."
"OH!", das war nicht unbedingt die Antwort, die er von einem Computer erwartet
hatte, dann viel ihm aber etwas anderes auf: "Warum funktionieren eigentlich die Lebens-Erhaltungs-Systeme und der ganze Rest zeigt nur Müll?"
An schloß kurz die Augen... "Nein, ich glaub nicht, daß das eine hilfreiche Alternative wär'." , er ließ den Arm sinken und stubste dabei unsanft Dine an. "Oh, Verzeihung ich hab völlig verg... Ach, schläfst du noch?", stammelte er. "Uh, was?", fragte sie benebelt. "Ich will jetzt zur Brücke, kommst du mit?" "Mhmm, ich will hier ja nicht anfrieren. 'Was Neues? Wie lang hab ich geschlafen?"
Langsam raffte sie sich auf und ließen sich vom Display führen - dies schien zu funktionieren. "Ich frage mich, wo ich hinwollte als das hier passierte - ich meine, warum ich da in dem Gang rumlag?" Er wollte etwas Konversation auf dem Weg machen. "Was soll ich'n da erst sagen?" "Willst du in die Messe gehen, um nach Essen zu schauen? Hier rechts?" Er deutete in einen dunklen Torbogen zu ihrer Rechten. "Computer! Licht! Schalt doch mal bitte das Licht ein..." Nichts geschah... Dann viel ihm das Display ein. "DAS LICHT IST AN." "Nein ist es nicht, das hatten wir doch schon! Schalt es einfach ein." "OK." Nichts... Er atmete tief ein und starrte den finsteren Gang hinunter. "Das Not-Licht? Alarm-Licht? Fenster? Irgendetwas?!", warf Dine ein. Sie zuckten zusammen als eine Alarm-Sirene los-schnarrte und den Gang in dunkles Rot legte... "Kannst du jetzt die Sirene wieder abschalten und das Licht anlassen?" Der Krach verstummte... "Puh, na?" Sie guckten sich an. Dine Lächelte und obwohl in dem Rotlicht ihre Lippen sich nicht vom Rest der Haut abhoben und ihre Augen nahezu schwarz, ihre Züge äußerst fremd waren, empfand An ihr Lächeln beruhigend attraktiv und lächelte zurück. Sie schaute durch den Torbogen in die Messe: "Ich schau nach etwas eßbaren, oder trinkbaren - geh' du zu den anderen." Er nickte und deutete den Gang hinunter, zeigte ihr das Display, sie studierte es kurz, nickte dann und verschwand in der Messe. (Gespenstisch!), dachte sie. Bildete sie sich das ein, oder war es wärmer geworden? Sie näherte sich langsam der Wand, die anscheinend Wärme abstrahlte, dann durchzuckte sie ein Schreck... "Computer!? Ist... ist das die Heizung in der Wand?!" Beklemmende Stille... "Computer?! Ich kann dich nicht hören! Und ich habe kein Display! Ich bin in der Messe!" Sie merkte, das sie beinahe schrie als sie den Hall und die Reflektionen ihrer Stimme in der relativ großen Messe wahrnahm - ein Gefühl von Panik! Einige bunte Kontroll-Leuchten blinkten hier und da auf und erlöschen wieder... Dann bemerkte sie eine Bewegung in ihrem Augenwinkel! Adrenalin schoß in ihre Adern und ihr Herz pochte betäubend bis zum Hals! Ein weiß-leuchtendender Punkt war seitlich ein paar Meter von ihr aufgetaucht, hatte sich kurz längs bewegt und war dann wieder verschwunden. Sie machte zwei Dinge gleichzeitig: sie wandte sich mutig dem Phänomen zu, machte aber dennoch dabei einen Satz zurück... Sie scannte den Raum vor sich - aber dort war nichts! Sie Schaute sich um - Noch einer! Wieder ein Schreck, wieder nur im Augenwinkel und wieder aus der gleichen Richtung. Noch einmal untersuchte sie konzentriert und zitternd die Luft vor sich... Etwas bewegte sich verschwommen vor ihr - in der gleiche Ebene, wie die anderen Leucht-Erscheinungen - nur diesmal viel langsamer und schwächer! Sie hatte zu dicht fokussiert und mit einem Mal wich die Anspannung von ihr und sie trat zum großen Aussichts-Fenster der Messe, vor dem die Sterne relativ zur Rotation des Schiffes vorbeizogen... Normalerweise war das Fenster "voll" von Sternen jeder Helligkeit, von Gaswolken, Nebeln, aber hier war fast nur gähnende Leere... Waren die Leuchtpunkte etwa nur Galaxien?! Ein beklemmendes Gefühl kroch an Dine's Kehle herauf und legte sich fester und fester um diese...
Auf der Brücke standen drei Leute auf zittrigen Beinen, denen es ähnlich wie Dine ging...
2 - In der Einsamkeit Sie mochten alle gemeinsam eine halbe Ewigkeit gestanden und in den leeren Raum gestarrt haben. Jeder öffnete hin und wieder träge den Mund als wollten sie etwas sagen, aber die Stille war nur vom schweren Atmen durchsetzt und man meinte das Pochen der Herzen spüren zu können - Nun, bis vielleicht auf das von Kah-Ran. Sie war eine Khalthe und konnte als das weibliche äquivalent ihrer Rasse im Vergleich zu den Menschen gesehen werden, aber dort endeten auch alle weiteren Vergleiche schon wieder. Ihr äußerst bizzar-attraktives Äusserers war in jeglicher Hinsicht wortwörtlich zu nehmen. Gerüchte sagen, daß die Bezeichnung "Khalthe" von dem deutschen Wort "kalt" käme, weil sie keine Körpertemperatur, wie die Menschen besaßen und oft ebenso emotional distanziert-kühl handelten, wie sie sich anfasten. Jedoch haben die Khalthen kein festes körperliches äußeres - sie können es fast frei nach belieben bio-mechanisch verändern, was sehr hilfreich zur Völker-Verständigung und bei der Zusammenarbeit war. Es ist ihnen jedoch nicht möglich sich mit anderen Dingen zu verschmelzen, oder ihrer eigentliche Körpergröße über alle Maße zu veringern, oder zu vergrößern. Khalthe sind extrem beständig gegen mechanische und physische Einwirkungen auf ihren Körper, was sie zu äußerst unangenehmen Gegnern macht. Aber gerade diese Eigenschaft scheint sie zu einem sehr friedlichen und verständnisvollen Volk geeint zu haben. "Ich dachte immer, es heisse Weltenraum...", brachte Meussner Mi nach langer Zeit flüsternd hervor und ihr kaltes Schaudern bebte mit jeder Silbe, die sie formte. Niemand wendete den Blick ab von der finstersten Finsternis, die noch nie jemand von ihnen zuvor so beklemmend erlebt hatte... Sie alle kannten eine Galaxie voll glitzernder Sterne und leuchtender Nebel, aber hier - hier war nichts! Einfach nichts, kein Photon weit und breit, um auch nur ein Staubpartikel, und sei es nur für Sekundenbruchteile, zu erhellen. Das Schiff rotierte langsam um seine Achse und in einem 41 Sekunden Rhythmus zogen langsam entfernte Spiral- und Cluster-Galaxien vorüber... "Die müssen Licht-Jahrmillionen entfernt sein! Und ich dachte immer Aldebaran wäre weit weg...", flüsterte Meussner weiter. "Der ist auch weit weg.", hauchte An und es dauerte eine Weile bis die Anderen seine bittere Ironie in dieser Aussage verstanden. Kah-Ran drehte ihren Kopf zu An Dorehn und tat so als starre sie ihn an. Für eine Khalthe war es nicht notwendig ihre Sinnes-Organe physisch auf jemanden zu richten, sie tat es aber, weil sie es akzeptierte, daß sie die Menschen sonst schwer irretieren würde, auch wenn sie den künstlichen Stolz der Menschen hinter dieser Pseudo-Aufmerksamkeit nicht im geringsten verstand. An blickte zu Kah-Ran, weil er ihre geistige Nähe spürte. Erst dachte er, sie würde sich ihm nicht weiter nähern, weil sie erkannte welchem Streß die Menschen hier nun ausgesetzt waren, aber sie schien zu schmelzen - es fiel ihr schwer, ihre menschliche Form beizubehalten. Nicht, das sie wie eine Wachs-Figur zerfloß, sondern sie wurde eher glatter, weniger faszettenreich. Die Details ihrer Erscheinung verlangten ihr einiges an Konzentration und Energie ab, die auch sie wohl in diesem Augenblick nicht mehr aufbringen konnte - sie hatte Angst! An hätte niemals gedacht, daß ein Khalte überhaupt vor etwas Angst haben könnte, aber er verstand - sie ließ es ihn spüren: sie war völlig allein. Natürlich gab es noch 3 andere Lebewesen hier im Augenblick, aber es waren eben "nur" Menschen und davon 2 auch noch weiblich... Khalthe sind sehr partnerschaftlich orientiert. Selten ist einer lang allein zu sehen. Was aber bio-physische Gründe hat. So, wie Menschen Nahrung aufnehmen, um zu überleben, verschmelzen Khalthe in bi-polaren Entitäten, um einen außergewöhnlich komplexen Prozess in Gang zu setzen. Es wird wohl nie ganz zu verstehen sein, was dabei vor sich geht. Es gibt 3 verschiedene Ebenen dieser Verschmelzung: Die 1. Ebene ist neutral und gilt der Sicherstellung des Weiterbestehens beider Entitäten. Das hat nichts mit dem zu tun, was die Menschen als Sex bezeichnen, eher wie eine ausgiebige Erholungs-Kur. Ein Khalthe kann bis zu 6 Monaten (Erdzeit) allein überleben. Die 2. Ebene ist deutlich intimer, dauert aber paradoxer Weise nur exakt 11,34 Sekunden. Die 3. Ebene Erläutere ich vielleicht ein anderes Mal... Unter diesen Vorraussetzungen war ihm nur zu klar, wie Kah-Ran sich im Augenblick ihre Zunkunft ausmalte. Nichtsdestotrotz würde sie die drei Menschen noch um ein paar Monate überdauern. Er wußte nicht, was er tun sollte. Nimmt man eine Khalthe in den Arm und drückt sie fest an sich, wenn sie Angst hat, oder lockert man sie durch einen kräftigen Elektroschock auf? Er war genauso hilflos, wie alle anderen hier an Bord. Aus irgendeinem Grunde schaute An auf sein Display und sah nur:
"DAS IST DAS HEIZUNGSSYSTEM
"Computer!?" rief An ins Display und die anderen drehten sich erstaunt um. "ICH ÄUßERE, DAß DIE KOMMUNIKATION AUF DIESEM WEGE SEHR UNVORTEILHAFT IST." "Kannst du dir vielleicht vorstellen, daß das andere hier auch so sehen könnten? Hat Dine etwas zu Essen gefunden?" "ACHTUNG!" sagte das Display. An fragte unverzögert weiter "Wie lange werden die Rationen reichen? Können wir ein Notsignal senden?" Das Display hatte in der Zwischenzeit im 2 Sekunden Takt weiterhin "ACHTUNG!" indiziert, aber An's Wissensdurst schien unerschöpflich "Können wir die Fernsensoren ausrichten? Wir sollten..." In diesem Augenblick dröhnte das Alarm-Schnarren wieder durch's Schiff. Alle, außer Kah-Ran zuckten zusammen. An beobachtete den Text, der sich vor ihm aufbaute und ließ den Arm sinken, als es sah, daß dieser auch auf dem großen Aussichtsfenster erschien. "ACHTUNG! SENSOREN MELDEN ANOMALIEN IM RAUM-ZEITGEFÜGE IN DER NÄHEREN UMGEBUNG ZUM SCHIFF!" Die Menschen schritten vor an die Scheibe. "Wo? Wo!" rief Mi. Dine trat auf die Brücke "Ich glaub dort draußen geht was vor sich" hauchte sie matt und ließ sich in den nächst-besten Sessel fallen. "Computer! Schiff auf Sichtkontakt ausrichten." Befahl Mi. "NAVIGATIONSTRIEBWERKE AN! KORREKTUR IN ETWA 80 SEKUNDEN" An bemerkte, daß er schwitzte. Kah-Ran wandte sich telephatisch an ihre Konsolen, die sich mit froher Farbvielfalt und einen seichten melodischen Rauschen ins Leben zurückmeldeten. Sie war Kommunikatorin und sondierte nun manuell alles ab, was ihr in den Sinn kam."Computer!?", Mi war nervös, sie fühlte sich machtlos.
"KORREKTUR IN ETWA 30 SEKUNDEN" An seuftzte, sein Herz schlug bis zum Hals - was ging hier vor!? Er schaute sich verängstigt um, sein Blick blieb am reglosen Körper von Dine hängen, er wollte aufspringen, aber sie war nur wieder eingeschlafen. Er starrte Mi an und sie ihn. Auch sie schwitze - kleine Perlen sammelten sich auf ihrer Stirn und ihre Stimme zitterte "Das ist einfach zuviel auf einmal. Ich bin nicht mal wieder richtig bei Sinnen. Ich... ich hab die Triebwerke nicht abgeschaltet!" entschuldigte sie sich - zu wem auch immer. An starrte bloß, dann setzte sich das Schiff seicht in Bewegung...
3 - Die Anderen Alle starrten auf das Fenster - nur nicht Kah-Ran, die nícht unbedingt von Fenstern abhängig war, sie war eh mehrfach vertieft in ihre Sondierungen und gab ein harmonisches Seuseln von sich, sie war verblüfft. Sie traute ihren Sinnen nicht. Vor ihnen baute sich ein Rechteck auf, um das herum schillernde Farben hervorstrahlten - so als ob das geschehen auf einer Leinwand statt fand, auf deren Rückseite sie sich befanden. Nur, daß diese Leinwand unverändert der Weltraum war - mit einigen nun sichtbar gemachten schwachen Lichtflecken, die Sterne, Pulsare, oder eher Galaxien zu sein schienen. Dann schrillte ein automatischer Alarm als aus diesem Rechteck auf der anderen Seite ein gewaltiges fremdartiges Raumschiff heraus kam. Kilometer für Kilometer schien es sich wie bei einer Geburt in den "reellen" Raum zu schieben. Die vier standen nur reglos da und staunten... Die Farben dieses Kreuzers hatten etwas vermodertes - das konnte aber auch an dem hier mangelnden Licht gelegen haben - die Formen waren ähnlich Ästen von Bäumen, die einfach unbehandelt zu einem Welttraumflieger zusammen-genagelt wurden. Wie bei den Khalthen, hatte der Kreuzer weder oben, noch unten. Offensichtlich war die Schwerkraft ein nicht so wesentlicher Aspekt für diese Rasse. Eins jedoch war klar: die mochten es auf jeden Fall riesig, oder die waren einfach so groß. Wie bei einer Tiefsee-Qualle pulsierten Lichter entlang des Rumpfes, die den ersten Hinweiß gaben, daß die beabsichtigte Form ähnlich einer Karambole gewesen sein konnte. "Damit kriegen die auf Centauri-Sternhafen keinen Parkplatz!", murmelte An Dorehn benommen. "Glaube nicht, daß die um einen bitten würden...", erwiederte Mi apatisch. "Wie lang das wohl noch ist!? Zeichen von Leben, Kah?!", rief Mi über die Brücke und allen Menschen lief es kalt den Rücken herunter als sich eine Art indifferenzierter Musik, ohne wirklich ortbarer Quelle über sie ergoß..."Kah! Komm zurück, wir können dich nicht verstehen!", murmelte Mi, ohne den Blick vom Fenster zu wenden. An schaute sich besorgt nach Kah-Ran um, die zwar noch eine annähernd humanoide Form beibehielt, die aber kaum noch Details aufwies. Es sah aus, als ob sie sich aufrichtete, tief einatmete und mit viel Konzentration ihr Abbild korrigierte. "Keine.", brachte sie letztendlich hervor. "Was!?", fragte Dine, die gerad aufgewacht war. "Es ist, als ob dieser Kreuzer von einer Art Schutzfeld umgeben ist - die Scanner kommen nicht durch." "Darf ich mich vorstellen? Ich bin Dine." Sie stand vor dem Sessel und richtete sich freundlich an die anderen drei. Offensichtlich war das so absurd, daß sich selbst Kah-Rah umdrehte. Mi verzog in seichtem Schmerz ihr Gesicht und An konnte ein lautes Lachen nur zu einem Stoßpruster reduzieren. Kah-Rah, gestärkt von neuer Hoffnung und mit erwecktem Pioniergeist, tat wohl das psychologisch einzig richtige, in dem sie zu Dine ging und sie freundlich begrüßte. Da kam An eine Idee: "Kah-Rah, was ist passiert?!" er starrte auf das fremdartige Schiff. "Ich sag's nicht gern', aber ich habe nicht die leiseste Ahnung. Auch diese Art von Raumsprung habe ich noch nie gesehen, aber ich habe eine Vermutung: denen geht es vielleicht genauso, wie uns..." Wobei sie zum Fenster zeigte. Dine folgte Kah's Arm und staunte "Wau, die sind groß und schau all diese Verzweigungen und... oh?!" Dine verstummte enttäuscht. Das Raumloch hatte sich verschlossen und es wurde wieder finster. Die pulsierenden Lichter auf dem Rumpf des Riesenkreuzers fluroszierten nur schwächlich regelmäßig von einer Art Vorn, wohl nach Hinten. Der Kreuzer war einige Kilometer entfernt zum Halten gekommen und schwebte nun still und stumm vor sich hin. Den Menschen lief es ein weiteres Mal kalt den Rücken herunter als sich wieder eine Art indifferenzierter Musik, ohne wirklich ortbarer Quelle über sie ergoß...
"Ghhhh! Kah!", rief Mi und schüttelte sich. "Das Schutzschild ist weg! Dieses Schiff ist wirklich organisch - den Antrieb kann ich aber nicht lokaliseren - Interessant..." Kah verstummte "Was?", drängte Mi. "Wau", äffte Kah-Ran Dine nach und grinste eine Khalthe-Humor grinsen.
Kah's Konsolen säuselten seicht, als sie emsig ihre neu entdeckte Beschäftigung untersuchte. Sie hatte Mi eigentlich nicht wirklich zugehört. "Entschuldigung?!", sagte Dine sanft und deutete zum Fenster. In einer gewissen absurden Art und Weise stand dort "DAS ESSEN IST FERTIG" auf dem Display. Mi nickte und deutete den Menschen ihr in die Messe zu folgen. Obwohl es eigentlich nichts beruhigendes an ihrer Situation gab, war das Essen eine gute Gelegenheit sich zu entspannen. "Ob uns die NIT wohl schon vermisst und eine Suche beordert hat?", fagte An. Die Nathan Interstella Transport war die Firma, für die sie arbeiteten und der auch der Transporter gehörte, den sie flogen. "Das ist wohl anzunehmen", antwortete Kaptain Meußner Mi. Nun erinnerte sich An an etwas, was ihn vor einiger Zeit nicht unerheblich beunruhigt hatte: "Der Computer meinte, er wußte nicht, wo wir sind. Er hätte auch keinen Kontakt zum IDS. Die Gegend sei ihm komplett unbekannt." er stocherte in seinem Essen herum "Hmm...", Mi versuchte sich darauf einen Reim zu machen, als alle eine Bewegung vor dem Messe-Fenster wahrnahmen und ihre Köpfe drehten. "Wahnsinn!", ächzte Dine.
"Ich dachte mir, das Euch das interessieren würde.", schallte Kah-Ran's Stimme durch die Lautsprecher. Das riesige Schiff der unbekannten Rasse erstrahlte in einem Lichtmeer grellster psychodelischer und pulsierender Farben. "So etwas hab ich noch nie gesehen", fuhr Kah fort.
Es war etwa eine Stunde vergangen, als alle wieder auf der Brücke standen und weiter gespannt den nun wieder weniger leuchtenden Kreuzer beobachteten. "Ich denke ich sehe hier meine Theorie bestätigt.", warf Kah in den Raum.
Mi verderehte die Augen und wandte sich ab. "Manchmal frag' ich mich, wie ich das all die Zeit ertragen hab...", murmelte sie leise zu sich selbst. An schritt herüber zu Kah-Ran's Konsolen, in der stillen Hoffnung etwas mehr in Erfahrung zu bringen, aber das Khalthe-Interface sprach in keinster Weise die menschliche Sensorik an, so blickte er Kah an, sie erwiederte seinen Blick und lächelte. "Manchmal glaub' ich ihr Menschen hab dennoch eine große Zukunft vor euch" "Wie bitte?", flüsterte An verständnislos. "Wenn eure Intelligenz und Intuition beständiger Hand in Hand gehen würden, als ständig in widerstreitende Richtungen, die sich nur allzu selten kreuzen." Kah ließ ein paar Sekunden verstreichen und fügte dann hinzu: "Eine Zeit lang wirkte der Kreuzer, wie benebelt. Nach etwa 25 Minuten erschienen die ersten Aktivitäten, die etwa eine halbe Stunde lang nach Sensoren und System-Checks aussahen. Sie Scannten uns und den umliegenden Raum..." "Woher willst du denn das wissen? Das ist eine komplett unbekannte Technologie.", wetterte Mi. "Lebewesen sind sich im Allgemeinen ähnlicher in ihrem Verhalten als umgekehrt." Mi hakte nach "Sind sie gefährlich?". An drehte sich zu Mi, aber Kah antwortete schneller: "Nein, immer noch nicht." Mi holte schon wieder Luft für die Frage nach dem "Wieso?", aber sie hörte schon Kah's obligatorische Antwort.
Es folgten ein paar Sekunden der Stille, als auf dem Fenster zwei Dinge passierten:
Lagen die zwei Schiffe und das Raumloch alle in nahezu einer Ebene, so ergab sich eine etwa rechtwinkeliges Dreieck auf dessen Eckpunkten der kleine Transporter durch eine Kathete zum Kreuzer und durch die Hypotenuse zum Raumloch getrennt war. Diesmal sahen sie den Durchgang von vorn. Das gewaltige Rechteck zeigte einen Raum-Zeit-Ausschnitt von irgendwo her und Kah-Rah setzte intuitiv blitzschnell alles daran die dort erscheinenden Stern-Konstellationen zu dekodieren, als eine mechanisch-technische Konstruktion in den hiesigen Raum eintrat, die etwa halb so lang, wie der organische Kreuzer war, aber deutlich kleiner im Volumen, oder Durchmesser. Es war ein nicht ortbares knurriges Jaulen zu vernehmen, Mi schüttelte sich. "Die sind böse.", zischte Kah. "Was?! Wieso?!", schrie Mi und stürtzte sich in ihren Sessel und hämmerte auf den vergrößerten Knopf zum hochfahren der Reflektor-Schilde. An wollte in seinen Sessel springen, um sich anzuschnallen, als er bemerkte, das Dine weiterhin phlegmatisch nur herumsaß und den Ernst der Lage wohl nicht begriff. "Dine!... anschnallen!", kommandierte er und Mi wandte sich alarmiert um:
"Verdammt, was war das?", schrie Mi, gefolgt von einem lieblichen Gänsehaut fördernden
Staccato fremdartiger Harmonien.
4 - Dauerfeuer Kaum war der Techno-Kreuzer zum Halten gekommen ging es wie ein Gewitter los. Zu sehen war für die Menschen zwar nichts im Raum vor ihnen, aber das zahlreiche gelbliche Aufleuchten der Schutzschilde, dort wo vermutlich Energiestrahlen einschlugen, gab einen Eindruck über die gewaltige Heftigkeit der Angriffes. "War es das, wofür die uns hier her geholt haben?!" schrie Mi entsetzt hinüber zu Kah und ein heller Lichtblitz zeigte mal wieder einen Querschuß auf sie an. "Das glaub ich kaum - das Stranden geht weiter." griff Kah im Sinne An's Intuition auf. "Haben die solche Angst vor uns, das die wie die Kaputten auf uns schießen?! Kah, kannst du die Strahlen auf dem Fenster sichtbar machen?" fragte Mi erregt "Ja, aber leider nur verzögert, so daß der Eindruck entstehen könnte, daß die Strahlen von den Schutzschilden aus auf den eigentlichen Angreifer gehen." erläuterte Kah "Egal! Auf den Schirm..." und es verschlug den Menschen ein weiteres Mal den Atem. "Verdammt, die Feuern aus allen Rohren!" ächzte An und allen war klar, das dies nicht das Werk eines Verteidigungs-Systems sein konnte. "Wie die Kaputten..." säuselte Kah nachdenklich "Wenn die sich an die gleichen Regeln halten, dann sollten wir in etwa 20 Minuten mehr wissen. Diese Zeit sollte allen in dem kleinen Transporter äußerst lang werden. Kah hatte unten rechts im Schirm drei Uhrzeiten eingeblendet, die jeweils mit der Ankunft eines jeden Schiffes ko-inzidierte. Das dritte Schiff feuerte nun schon unabläßlich seit einer dreiviertel Stunde. Alle saßen seit dieser Zeit angeschnallt und angespannt in ihren Sitzen. "Das reicht!" rief An und entsicherte sich, um aufzustehen. Mi drehte sich alarmiert um. "Was hast du vor?!" rief sie, um das eigentümliche Brummen, das mit jedem Einschlag im Schutzfeld einherging zu übertönen. "Willst du zurückschießen?" rief sie erregt-sarkastisch. "Gute Idee! Ich könnte mit dem schmutzigen Geschirr nach ihnen werfen." schrie Dorehn ebenso gereizt zurück. Aber Dine brach in ein kindisches Gelächter aus, das die angespannte Situation auflöste und auch Mi konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Auch sie stand auf, sollten sie hier stundenlang so sitzen bleiben?! "Was machen wir jetzt...?" keiner antwortete. Dine starrte apartisch auf den Schirm, für sie ging die Zeit schon seit einer ganzen Weile langsamer. Die Wände des Schiffes schienen ihr nahezu transparent. Sie beobachtete die Röntgen-Laser-Strahlen und das wunderkerzen-hafte aufblitzen am Schutzfeld. Sie wußte etwas und sagte: "Schluß." An und Mi drehten sich erstaunt zu ihr um als aber auch draußen das Feuerwerk verstummte. Alle starrten sich an, um dann wieder Dine anzustarren... "Was war das?" fragte Mi entsetzt. "Sie haben aufgehört." antwortete Kah-Ran. "Ziemlich witzig..." sagte Mi und beherrschte ihren aufquellenden Ärger, drehte sich zu Kah und fragte mit der selben ruhigen Stimme aber feurigem Blick. "... aber warum hat Dine mit ihrem Wort das Schauerspiel beendet?" Kah simulierte Schulterzucken "Zufall?" Mi grollte ein wenig "Verarschen, Kah, kann ich mich auch selbst..." Mi blieb jedoch weiterhin ruhig, als ihr An ins Wort fiel. "Ich denke die Khalten glauben nicht an Zufall?!" Kah konsultierte ihr Konsolen "49 Minuten Dauerfeuer, nach Erdzeit-Rechnung. Sie wechseln das Waffen-System" wich Kah aus und sofort sprangen Mi und An zum Fenster. Sie standen dicht beieinander und Mi flüsterte zu An "Und was kommt jetzt?" An griff nach einer der Servietten, die er nach dem Essen eingesteckt hatte und tupfte ihr sanft den Schweiß von der Stirn. Sie waren ein ziviles Transportschiff, und nicht militärisch gegen solch einen Streß gedrillt. Er zuckte nur seicht mit den Schultern und beobachtete den Zerstörer. Dieser korrigierte seine strategische Position leicht und setzte im Raum vor sich mehere dutzend zylinderförmige Kontainer ab. "Siebenundzwanzig Objekte wurden ausgesetzt." berichtete Kah. An schaute aus nach irgendeiner Reaktion vom Kreuzer. "Warum tun die nichts weiter als sich f..." Mi fiel ihm in's Wort "An! bitte." Sie wußte was kommen würde und schätze An's Wortwahl nicht immer. "Aber ist doch wahr. Warum schießen die nicht zurück, sondern stecken nur ein? Das macht doch keinen Sinn, oder?" Kah-Ran begann zu erläutern "Der Zerstörer ist ziemlich konventionell und zeigt alle Merkmale einer offensiven Bewaffnung. Der Kreuzer jedoch ist - in unserem Sinne - fremdartig. Ich kann nichts an ihm finden, was auf eine aktive Bewaffnung schließen ließe. Sie könnten natürlich flüchten, aber wohin... Achtung - aus den Kontainern strömen nun eine Unzahl an kleinen Drohnen." An und Mi traten etwas zurück, um sich die Vergrößerung des Geschehens auf einem Teilbereicht des Schirmes anzusehen. Dort entlud sich eine Unmenge von Fußball großen Sphären, die sogleich auf den Zerstörer zuschossen. An bemerkte, wie ihm heiß und kalt wurde und sein Herz bis zum Hals pochte. Irgendetwas zitterte an seinem linken Arm, bis er bemerkte, das er Mi's Hand hielt. Er konnte sich jedoch gar nicht daran erinnern wann er sie genommen haben sollte. "92.356 Objekte auf Angriffs-Kurs." Kommentierte Kah-Ran "Danke, Kah..." sagte Mi mit apatisch-erstickter Stimme. Was auch immer es war, in der Dunkelheit ließ sich dieser herankommende Schwarm auf dem Schirm nur erahnen. Dann wurden auf einmal deutlich markierte Strukturen auf dem Schirm sichtbar. "Wie wir sehen können, ..." kommentierte Kah-Ran, in schon nahezu absurder Sachlichkeit plus einer Prise Begeisterung, weiter "... kommen die Objekte in 7 exponetiell ansteigenden Wellen, mit einem Abstand von etwa 7 Sekunden." Die erste Welle traf auf das Schutzfeld. Eine gewaltige stumme Breitseite von Explosion blitze auf, bei der anders als zuvor das Feld stark deformiert wurde. Der Kreuzer schien sogar etwas zu wanken... "Das hat gesessen" murmelte Mi. Schlagartig tauchten längs an dem Kreuzer 88 topas-floruzierende Ovale auf und jetzt begann eigentlich erst das wahre Gewitter. Mit menschlich nicht nachvollziehbarer Geschwindigkeit jagten tausende von bläulichen Energie-Nadeln hinaus auf die Angreifer-Schar und dezimierten die folgenden Bomben-Wellen, noch bevor sie das Schutzfeld erreichen konnten. An und Mi klappten schlichtweg die Kinnladen herunter. "Das träum ich doch alles nur, oder?" flüsterte An Dorehn. "Ich hoffe" antwortete Mi und in ihren Augen reflektierten sich die myriaden von Lichtblitze, die mit jeder Verdampfung einer Bombe einher gingen. Ein indifferenzierbares harmonisches Klanggewitter entlud sich auf der Brücke und An traute seinen Augen nicht, während Mi noch gegen ihre Gänsehaut ankämpfte, starrte er ungläubig auf eine vor Freude hüpfende und khaltisch jubelnde Kah-Ran. "91.842 Ziele in nur 24 Sekunden! Ohne einem einzigen Fehlschuß! Phantastisch, einfach nur phantastisch - ha, ha, ha - könnt ich doch nur die Gesichter von denen dadrüben sehen... 'sind die gefährlich?'(mimte sie Mi)... solange du sie nicht ärgerst - ha, ha..." So sehr ihr Kah manchmal auf die Nerven ging, aber Mi verdammt noch mal bewunderte sie für genau das, was sie selbst nie sein würde, bestimmt, präzise, analytisch und dennoch kindlich emotional bis in die letzte Faser. Mi aber hatte im Augenblick einfach nur lähmende Angst - Todesangst. An lächelte kurz, aber seine Miene verfinsterte sich schnell wieder. "Wie wird's weitergehen? Das ist doch ein sinnloses Kräftemessen." "Du hast wohl keine Angst Kah, wie?" fragte Mi mit zitternder Stimme. "Wir haben weder eine Chance gegen die Einen, noch die Anderen." Kah blieb ruhig stehen und ihr hübsches bizzar-geschminktes gesicht verlor etwas von der kindlichen Freude. Sie nahm ihre immer noch Gestikulierenden Arme herunter und sagte "Verstehe. In meiner eigenen Angst und der dann folgenden Euphorie hab ich die eure wohl vergessen. Aber selbst wenn wir keine Chance hätten, was sollten wir bis dahin tun? Nur Angst haben allein hilft weder besser zu sterben, noch besser zu überleben. Jedoch vertrau' ich meiner Intuition und die sagt mir, das wir uns solang keine Sorgen machen brauchen, wie uns die vom Kreuzer beschützen."
Mi nickte benommen und An legte seinen Arm um ihre Schultern und führte sie von der
Brücke. Kah wartete, bis sich die Tür hinter den Beiden schloß und schlich dann
zu Dine. "Was siehst du?"
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